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Wissensmanagement im Baubetrieb
- aus Informationen nutzbares Wissen machen


Die meisten Betriebe der Baubranche stehen bei der Meisterung dieser Prozesse gerade erst am Anfang. Oft wird Wissensmanagement auf die Ablage und Auswertung von speziellen Bautechniken und Kompetenzen beschränkt. Im Bauprozess gibt es jedoch sehr viel mehr Ansatzpunkte, vorhandene Informationen als Wissensbasis gewinnbringend zu nutzen.
Dies soll hier anhand einiger konkreter Beispiele gezeigt werden:

Nachunternehmer-Management
Die richtigen Nachunternehmer für eine zu vergebende Fremdleistung zu finden ist nicht allein eine Frage einer gut gepflegten Adressdatenbank. Neben dem einfachen Entscheidungskriterium "Preis" spielen immer mehr qualitative Merkmale eine Rolle. Auch die Pflege von Nachunternehmerbeziehungen gewinnt an Bedeutung. Ein modernes Nachunternehmer-Managementsystem muss deshalb auch Auskunft über qualitative Kriterien eines Nachunternehmers geben können z.B. Ausführungsqualität, Termintreue, Mitarbeit während der Angebotsphase usw.
Möglicherweise bemüht sich ein Nachunternehmer schon länger intensiv um Aufträge und scheitert jeweils nur knapp am Preis. Soll dieser Nachunternehmer auch weiterhin berücksichtigt, ja vielleicht sogar aufgrund seiner guten technischen Kompetenz gefördert werden? Wie erkennt man solche Fälle überhaupt? Hier ist eine gute Datenbasis notwendig, die unterschiedliche, ad hoc gestellte Fragen beantworten kann.

Mängel-Management
Auch wenn sich ein solches Managementsystem vorrangig um die Verfolgung und Abarbeitung von Mängeln kümmern muss, darf es sich darauf nicht beschränken. Werden Mängel konsequent in einer projektübergreifenden Datenbank erfasst und klassifiziert, kann daraus Wissen entstehen. Z.B., welche Fehlerquellen besonders häufig auf-treten und somit auch fast vorhersehbar unnötige Kosten verursachen. Ist dieses Wissen erst einmal erlangt, kann die Fehlerursache in der Regel auch beseitigt werden. Um solche Zusammenhänge erkennen zu können, muss die Datenbank natürlich auch eine systematische Mängelerfassung bis hin zu mobilen Geräten unterstützen.

Kennzahlen
Die Erfassung realer Baukosten aus eigenen Projekten und das "Ins-Verhältnis-Setzen" dieser Kosten zu frei definierbaren Bezugsgrößen stellt eine hervorragende Wissensbasis dar. Denn mit einer solchen Datenbank können Angebote schnell und zuverlässig auf Plausibilität geprüft werden oder effektiv Einschätzungen über Projektvolumina getroffen werden. Auch die Vergleichbarkeit von Projekten und die Rückführung von Abweichungen auf Besonderheiten in der Ausführung werden mit einer solchen Datenbasis transparent und nachvollziehbar.

Risiko-Management
Unter diesem Begriff ist hier vorrangig die systematische Erfassung technischer Risiken gemeint. Eine entsprechend gepflegte Datenbank wird zum wertvollen Erfahrungspool. Bereits zu Beginn eines neuen Projekts zeigt er mögliche Risiken und wirkungsvolle Gegenmaßnahmen auf. Natürlich setzt das voraus, dass "Baufehler" offen dokumentiert werden. Fehler kosten Geld. Aber Fehler, die immer wieder passieren, weil sie nicht als typische Risiken erkannt wer-den und weil die möglichen Maßnahmen zu ihrer Vermeidung nicht dokumen-tiert sind, kosten immer wieder Geld! Darüber hinaus können mit einem Risiko-Management auch die wirklich effektiven Maßnahmen ermittelt werden. Denn auch Maßnahmen zur Vermeidung von Risiken kosten Geld und sollten daher nachprüfbar sein.

Referenzprojekte
Die Bewerbung für die Ausführung eines Bauvorhabens umfasst häufig Referenzlisten. Natürlich ist es dann wichtig zu wissen, welche vergleichbaren Projekte man in der Vergangenheit bereits erfolgreich abgewickelt hat.
Aber auch hier ist die Sichtweise häufig zu einseitig. Eine richtig konfigurierte Lösung kann mehr. Warum sollte eine Datenbank zur Verwaltung von Referenzprojekten nicht auch einen Bezug zu dem dort verwendeten Know-How herstellen? Dann lässt sich nämlich nicht nur die Frage beantworten, ob und wie oft man schon etwas ähnliches gemacht hat. Auch nach geeigneten Verfahren oder den damals eingebundenen Experten kann recherchiert werden. Das Wissen darum, wer etwas über ein spezielles Verfahren weiß und es auch bereits in der Praxis erprobt hat, ist häufig nur durch langwieriges "Herumfragen" zu erlangen. Die entsprechend erweiterte Referenzdatenbank wird hier zum effektiven Werkzeug

Fazit
Die Beispiele zeigen, dass Wissen nicht nur durch eigene Ausbildung und bei eigener Auseinandersetzung mit Aufgaben entsteht, sondern auch aus den Erfahrungen anderer. Voraussetzung hierfür ist eine offene und systematische Dokumentation aller zugehörigen Fakten in geeigneter elektronischer Form. Aber ebenso wichtig ist, dass die exakt funktionierende buchhalterische und technische Funktionalität der eingesetzten EDV-Lösung mit diesem Informationspool zusammen arbeitet. Was richtig gespeichert ist, lässt sich ordentlich verwalten und "managen". Erst durch die Verknüpfung der Einzelelemente wird aus Information wirklich einsetzbares Wissen.
Das zur Erfassung, Speicherung und flexiblen Verarbeitung genutzte integrierte Programmpaket muss den Zugriff und damit die Bereitstellung von Wissen für den Nutzer so einfach und effektiv wie möglich gestalten.
Ein solches System lebt von und mit dem Engagement der Nutzer. Und da ist eben auch die ehrliche Dokumentation von Fehlern inbegriffen.