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Datenbank sammelt Erfahrungen und stellt Wissen zur Verfügung
Bauprojekte enthalten Risiken und die Bereitschaft, ein Risiko einzugehen, kann Kosten verursachen. Diese Kosten sind jedoch oftmals vorher nicht kalkuliert worden und mindern dann die ohnehin schon schmale Marge, die für Bauprojekte typisch ist. Daher lohnt es, sich mit dem Thema Risikomanagement auseinander zu setzen und zu versuchen, die auftretenden Kosten zu minimieren oder gänzlich zu vermeiden. Die Konsequenzen eines Risikos müssen jedoch nicht eintreten. Dazu sind natürlich Maßnahmen erforderlich, die Geld kosten. Ein Teufelskreis?
Zunächst muss man abwägen, welchen Risiken man mit Maßnahmen begegnen möchte und wie aufwendig diese Maßnahmen sind. Dazu muss man Risiken, mögliche Risikokosten, Maßnahmen und Kosten der Maßnahmen identifizieren. Und dabei hilft vor allem Erfahrung. Insbesondere, wenn diese Erfahrung dokumentiert ist. Also müssen Erfahrungen aus Bauprojekten gesammelt werden, in unserem Fall Fehler und Fehlerkosten. Dazu müssen geeignete Maßnahmen definiert werden, um diese Fehler in Zukunft zu vermeiden.
Natürlich kosten Fehler Geld und niemand gibt gerne Fehler zu. Es kostet aber noch mehr Geld, wenn der gleiche Fehler immer wieder passiert, nur weil niemand dokumentiert hat, wie der Fehler entstanden ist, d.h., welches typische Risiko zugeschlagen hat.
Dokumentierte Fehler helfen Kosten vermeiden.
Innerhalb des Projektinformationssystems rivera der Nemteschek Bausoftware GmbH existiert für das Risikomanagement eine eigene Datenbank. In dieser werden Erfahrungen aus der Auftrags-, Ausführungs- und Gewährleistungsphase gesammelt und dieses Wissen wiederum für die Angebots-, Auftrags- und Ausführungsphase zur Verfügung gestellt. Für die Angebotsphase deshalb, weil gerade vertragliche Risiken oft nicht erkannt oder vernachlässigt werden. Und das kann sehr teuer werden. Wesentlich ist es, sich über unterschiedliche grundsätzliche Risiken klar zu werden. Diese sind dann mit Eintrittswahrscheinlichkeiten zu versehen. Dem Anwender darf dabei jedoch nicht zugemutet werden, ein Risiko mit einer prozentualen Eintrittswahrscheinlichkeit wie z.B. 12,5% oder 23,4 % zu beurteilen. Es muss ausreichen, ein Risiko als hoch, mittel oder unwahrscheinlich einzustufen. Welche tatsächlichen Werte sich dahinter verbergen, belegt die Erfahrung.
Ein Risiko erhält ferner als klassifizierendes Merkmal das Merkmal Risikotyp wie z.B. "Baugrund". Schließlich sollen über das Risikomanagement die typischen Risiken erkannt werden. Welche Summen hinter diesen Risiken stehen, ist dann projektspezifisch festzulegen. Hierzu werden einem Risiko Konsequenzen zugeordnet. Jede Konsequenz ist gesondert zu beurteilen und dient als Ausgangspunkt für die Festlegung der Maßnahmen zur Minderung oder Vermeidung des Risikos. Die Unterteilung in Risiken, Konsequenzen und Maßnahmen unterteilt ein Risiko also gedanklich in kleinere und projektspezifisch variierbare Einheiten. Dadurch kann sowohl die Risikobeschreibung als auch die Definition geeigneter Maßnahmen präziser gefasst werden. Eine grobe Beschreibung zieht in der Regel auch nur grobe Maßnahmenbeschreibungen nach sich und hilft im Notfall dann auch entsprechend wenig.
Maßnahmen kosten auch Geld. Um hier ein vernünftiges Verhältnis von "Vorbeugekosten" und möglichen Schadenskosten zu gewährleisten, ist es unbedingt erforderlich, auch Maßnahmen entsprechend zu bewerten. Dies gilt für Versicherungskosten ebenso wie für Kosten, die aufgrund von einmaligen oder periodischen Aktivitäten entstehen. Gerade letztere sind natürlich schwerer zu ermitteln als ein Versicherungsbeitrag, aber auch hier hilft erstens die Erfahrung und zweitens das Herunterbrechen in klar überschaubare Einheiten.
Die Risiko-Datenbank von rivera bietet hierzu einen Pool von Vorschlägen für Maßnahmen für bestimmte Risikotypen. Welche Maßnahmen mit welchen Kosten und Durchführungsparametern zum Tragen kommen, muss jedoch projektspezifisch festgelegt werden.
Bei der Ermittlung der Gesamtgefahr eines Projekts können versicherte Risiken bis zur Versicherungssumme zahlenmäßig unberücksichtigt bleiben. Allerdings sollten nicht nur die reinen potentiellen Kosten Anhaltspunkt dafür sein, ob die Gesamtgefahr aus allen erkannten Risiken projekt- oder sogar unternehmensgefährdend ist. Qualitative Aspekte sind ebenfalls von Bedeutung. Denn Fehler können nicht nur Kosten verursachen, sondern auch die Beziehung zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer nachhaltig beeinflussen. Dies gilt für das Verhältnis Bauherr / Bauauftragnehmer ebenso wie für das Verhältnis Bauauftragnehmer / Nachunternehmer. Schließlich verlangt die ISO 9000 auch die Führung von Auftragnehmerkarteien.
Auch wenn Maßnahmen definiert sind und auch durchgeführt werden, kann ein Risiko immer noch eintreten. Daher muss zu jedem Risiko ein Notfallplan hinterlegen werden, der neben den durchzuführenden Notfall-Maßnahmen u.a. alle zu benachrichtigenden Personen mit Adresse und Telefonnummern beinhaltet. Um die Wirksamkeit der Maßnahmen beurteilen zu können, lassen sich Kenngrößen ermitteln. Dazu werden Fehlerkosten und Kosten der Maßnahmen gegenübergestellt. Die tatsächlichen Fehlerkosten sind die aufgetretenen, aber nicht-versicherten Fehlerkosten. Die Gesamtkosten der Maßnahmen ermitteln sich aus Versicherungskosten zuzüglich der Maßnahmenkosten. Der Effektivitätsgrad wird dann errechnet, indem die vermiedenen Fehlerkosten auf die Kosten der Maßnahmen bezogen werden. Vermiedene Fehlerkosten sind vermutete Fehlerkosten (bewertete Risikokonsequenzen, wie vor Beginn des Projektes definiert, minus tatsächlichen Fehlerkosten). Teilt man diese Differenz durch die Gesamtkosten der Maßnahmen, so ergibt sich ein Wirkungsgrad.
Mit dieser Kennzahl steht dann ein Maß für die Effektivität von risikomindernden Maßnahmen in den Projekten zur Verfügung. Und damit eine Entscheidungshilfe, welche Maßnahmen sinnvoll sind und unbedingt durchgeführt werden sollten.
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